Rezension zum Konzert von Konrad Bauer und Uwe Kropinski im "Bogart's Jazz Club" am 02.07.2002

Mit Superlativen wurde in den Presseankündigungen zum Konzert nicht gespart und so waren die Erwartungen des Publikums groß.
Das war für die beiden Altmeister der improvisierten Musik keine Überraschung, ein Zustand mit dem umzugehen sie lernen mussten. Rostock als Gastspielort war beiden durchaus nicht unbekannt. Immer einmal wieder zog es sie an die Küste, zusammen das letzte Mal allerdings vor zwanzig Jahren. Und wie Veranstalter Burkhard Struck anhand von Autogrammen und Programmheften zu belegen wusste, war es auf den Tag genau zwanzig Jahre her, als Bauer und Kropinski beim Ostseejazz in der Rostocker Mensa am 2. Juli 1982 im Duo spielten. Dieses Kuriosum verlieh dem Abend einen denkwürdigen Charakter, keineswegs jedoch nachdenklichen oder nostalgischen.

 

Frisch begann Uwe Kropinski das Konzert. Conny Bauer stieg im zweiten Titel ein und dann begann das, was man vielleicht als blindverstehende Konversation unter Musikern bezeichnen könnte, als spontanen Dialog zwischen Künstlern, die über weit mehr Ausdrucksmöglichkeiten verfügen als die gesprochene Sprache. Und wenn auch wie scheinbar ohne Absprache und aus dem Stehgreif war es dennoch kein small talk, der da zu Gehör kam. Kropinski`s und Bauer`s unglaubliches Handwerk, ihre Virtiuosität und Improvisationskunst sprudelten aus einem schier unendlichen Quell von Innovation und Kreativität.

 

Wenn auch mal der eine Musiker über längere Passagen dominanter war als der andere, um nahtlos daraufhin die Rolle zu wechseln, kam nie der Gedanke auf, einer wolle für die Pose im Rampenlicht das gleichwertige Miteinander aufgeben. Unentwegt spann sich unter ihren Händen ein feiner scharfsinniger Klangfaden, der am Ende jedes Stückes zu einem Klangteppich wurde, zu einem wirklichen Ganzen. Das war es vermutlich auch, was die Zuhörer überzeugte und tief beeindruckte; frei improvisierte Musik, die unterhalten, anrühren und immer wieder verblüffen konnte.
Einige unter den Zuschauern, die das Konzert damals im Juli 1982 erlebt hatten, waren sich im Anschluss an das gerade gehörte Konzert einig - die beiden Meister beherrschen sie immer noch - diese wunderbare Gabe, Menschen mitzunehmen auf musikalische Ausflüge fern abgesteckter, vertrauter Wege.