   
( die Bilder 3.v.l. und 4.v.l. zeigen das Konzert am Nachmittag auf der IGA )
Rezension zum Konzert Barbara Dennerlein Duo in der HMT am 23.05.03
Die Faszination der Leichtigkeit
Barbara Dennerlein auf Bühnen in Rostock
Für Menschen, die eingeschränkten Horizont bezüglich des Jazz haben, bot sich am Freitag im Katharinensaal der HMT eine ideale Gelegenheit, Engstirnigkeit aufzubrechen. Jazzorganistin Barbara Dennerlein, die schon mehrere Jazz-Awards gewinnen konnte, gab zusammen mit dem Schlagzeuger Daniel Messina ein Konzert, das in dieser Kategorie seinesgleichen sucht.
Funky, groovig und durchsetzt mit lateinamerikanischen Rhythmen, wirbelte zur Eröffnung „Summer Day“ voll Lebendigkeit durch den Saal. Mit außergewöhnlicher Unbeschwertheit bearbeitete Barbara Dennerlein mit Händen und Füßen das Urgestein von Hammond-Orgel und zauberte ein energiegeladenes Soundgebilde, das vielen Hörern das Sitzen schwer machte und nur der Anstand sie am Aufspringen hinderte.
Faszination übte auch der Anblick ihrer Füße aus, die eine lange gerade Basslinie beim Stück „In the house“ aufbauten und mit graziler Leichtigkeit über die Pedale der Orgel zu fliegen schienen. Mit abgespeicherten Samples konnte sie über die Pedale eingespielte Klänge eines Kontrabasses abrufen. Dazu schleppende, synkopische Begleitung Messinas.
Jazz, die Musikrichtung, die für viel Improvisationsraum steht, eröffnete den beiden Künstlern die Möglichkeit, immer wieder die Palette ihres Könnens, den Aufbau von
Spannungsbögen darzubieten, ohne das Thema zu verlieren und sich im Kosmos der Nichtigkeiten zu verlaufen.
Wunderbar „Change of Pace“, wie fast alle Stücke des Abends eine Komposition von Barbara Dennerlein, die ihrem Namen alle Ehre machte. Repetierende Dynamikwechsel von forte zu subito piano, die hervorragenden auf den Punkt synchronen Tempoänderungen und die Divergenz von schleichend hinkendem Orgelspiel und rasant treibendem Schlagzeug. Sowieso war diese Stück der Abenteuerplatz für Daniel Messina, der hier ein Schlagzeuggewitter erzeugte, das in vollendeter pulsierender Brachialität und Klangvielfältigkeit danieder ging.
Voll Enthusiasmus und von der Musik mitgerissen, ließen sich einige Gäste zu Jauchzern und Begeisterungspfiffen hinreißen, die am Ende jeder Komposition in frenetischem Applaus kulminierten. So war es nicht verwunderlich, dass das Duo nach dem letzten Stück eine Variation des Rolling-Stones-Klassikers „Satisfaction“ nicht so schnell der Bühne entfliehen konnte und sich noch mal einer Zugabe stellen musste, die ganz und gar nicht jazzig klang, sondern mehr an Entspannungsmusik im Esoterikgeschäft erinnerte, aber die ideale Gute-Nacht- und Abschieds-Musik darstellte.
Maren Jütz
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