Annamateur & Außensaiter - 03. Oktober 2006
Eine Rezension von Sylvana Loblow – Ostsee-Zeitung vom 5.10.2007

Die preisgekrönte, doch in Rostock noch unbekannte Sängerin „Annamateur“ sang sich am Dienstag im „Ursprung“ in die Herzen der Zuhörer.

“Als Anna Maria Schulz kann man froh sein, sich `Annamateur` zu nennen“, verkündete die Dresdner Künstlerin „Annamateur“ selbstironisch zu Beginn ihres Auftritts in der Kleinkunstbühne „Ursprung“. Dienstagabend verwandelte sie den kleinen Jazzclub am Alten Markt in eine Art „Comedyclub“.
Nicht, dass der Gesang hier zu kurz kam – im Gegenteil. Die Sängerin raubte mit ihrer Stimmgewalt dem Publikum den Atem. Doch vor allem zwischen den Gesangseinlagen brachte die Dresdnerin die rund 50 Gäste zum Lachen.


Das Multitalent „Annamateur“ überzeugte ihr Publikum mit Witz, Ironie, schauspielerischem Talent und natürlich mit ihren teils eigenen, teils gecoverten Songs.

Mit ihren zwei Musikern, Gitarrist David Sick und Stephan Braun am Cello, interpretierte sie Songs wie „Who`s bad“ von Michael Jackson, oder „I will survive“ von Gloria Gaynor auf ihre ganz eigene Art. Sie deutete Michael Jackson`s verwegene Tanzschritte an und spielte zu Gloria Gaynor`s Diskotheken-Hit Blockflöte.

Aber auch ihre selbstgetexteten Lieder, die manchmal an die Band „Rosenstolz“ erinnerten, fanden tosenden Beifall. Satirisch und immer mit einem Hauch Ernsthaftigkeit sang die 29-Jährige Titel wie „Bulimiswing“, „Unerotisch“, „Chat`aime“ und „Nutella“ – nicht ohne sich selber immer etwas auf die Schippe zu nehmen. „Ich bin eben ein Antityp. Wenn ich auf die Bühne komme, gucken die Leute mich an und denken, die Sängerin kommt noch“, erzählt „Annamateur“ lachend.
Sie ist sich ihrer selbst bewusst. „Ich gehe in die Klamottenläden und frage, ob es auch was für fette Hippies gibt.“


Gründe genug, vor Selbstbewusstsein zu strotzen, gibt es allemal für die studierte Sängerin. Gerade gewann sie den „Cabinet-Preis für Musik“. Zwei mal schon wurde sie von dem Dresdner Magazin „Sax“ zur Dresdnerin des Jahres gewählt. In ihrer Heimatstadt spielt sie vor „gequetschten 400 Gästen“. Demnächst tourt sie mit ihren Musikern einen Monat lang durch die Schweiz. Nebenbei erzieht sie ihren fünfjährigen Sohn Kaspar allein. „Ich hab das Wort `Mutti Tasking` für mich erfunden. Manchmal hänge ich Wäsche auf, rede mit meinem Sohn und denke mir gleichzeitig eine neue Zeile für einen Song aus.“ Und dabei scheint „Annamateur“ ständig gute Laune zu haben.
Davon gab sie dem Publikum am Dienstagabend eine Menge ab. Nach Zugaben, Jubel und Applaus verließ „Annamateur“ die Bühne.